Helmstedt. Auf Einladung der Wirtschaftsregion Helmstedt GmbH und ihrer Partner fand am 6. und 7. Mai bereits der dritte Revieraustausch auf der historischen Burg Warberg im Landkreis Helmstedt statt.
Erstmals kamen Vertreterinnen und Vertreter aller vier deutschen Braunkohlereviere – Lausitz, Rheinisches Revier, Mitteldeutsches Revier und Helmstedter Revier – in dieser Konstellation zusammen. Für die niedersächsische Seite erneut unter Einbeziehung der Partner aus Wilhelmshaven/Friesland. Gemeinsam stehen diese Regionen für rund 40 Milliarden Euro an Strukturstärkungsmitteln, die bis 2038 in den Transformationsprozess investiert werden.
Im Mittelpunkt des diesjährigen Austauschs standen die unterschiedlichen Ausgangslagen der Reviere – und zugleich die Frage, wie trotz verschiedener Voraussetzungen gemeinsame Strategien für einen erfolgreichen Strukturwandel entwickelt werden können. Während in der Lausitz und im Rheinischen Revier der aktive Ausstieg aus der Braunkohlewirtschaft weiterhin konkrete industriepolitische, arbeitsmarktbezogene und energieinfrastrukturelle Herausforderungen mit sich bringt, sind die Transformationsprozesse im Helmstedter und Mitteldeutschen Revier bereits deutlich weiter fortgeschritten. Dort stehen zunehmend die nachhaltige Nachnutzung ehemaliger Flächen, neue Wertschöpfungsketten sowie die langfristige Sicherung von Fachkräften und Innovationskraft im Fokus.
Gerade diese unterschiedlichen Perspektiven sorgten für einen intensiven und offenen Austausch – über Geschwindigkeit, Erwartungsmanagement, die Rolle von Bund und Ländern sowie die Frage, wie Strukturwandel nicht nur verwaltet, sondern aktiv gestaltet werden kann. Zum Ende der ersten von drei Förderperioden bot insbesondere der fachliche Arbeitsaustausch am Nachmittag Gelegenheit, Verfahren und Prozesse kritisch zu reflektieren und Ansätze für schnellere sowie zielgerichtetere Abläufe zu diskutieren.
Den festlichen Höhepunkt bildete der gemeinsame Abendempfang auf Burg Warberg.
Als Impulsgeber wirkten:
- Gerhard Radek, Landrat des Landkreises Helmstedt
- Klaus Freytag, Lausitzbeauftragter des Landes Brandenburg
- Grant Hendrik Tonne, Wirtschaftsminister des Landes Niedersachsen
- Wolf-Michael Schmid, Ehrenpräsident der IHK Braunschweig
Moderiert wurde der Abend von Prof. Dr. Lothar Hagebölling, der den Bogen von persönlicher Begegnung hin zu Mut, Verantwortung und Zukunftsperspektiven spannte.
Ein besonderer regionaler Höhepunkt war die Übergabe des Förderbescheides für das soziale Quartierbildungs- und Nahversorgungszentrum Offleben. Minister Tonne brachte den Bescheid mit einer Förderhöhe von 2,1 Millionen Euro persönlich mit auf die Bühne. Gemeinsam mit Bürgermeister Wittich Schobert, Thomas Klein als Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Helmstedt sowie der Strukturkommission, Thomas Bode als Geschäftsbereichsleiter der Stadt Helmstedt sowie Projektinitiatorin und stellv. Ortsbürgermeisterin Anne Stein wurde damit ein wichtiges Signal für die weitere Entwicklung des Projektes gesetzt.
Am zweiten Tag des Austausches stand das Forschungsmuseum Schöningen (Paläon) im Mittelpunkt. Zeitgeschichte, Museums- und Ausstellungskonzeptionen waren dabei ebenso in der Diskussion wie künftige Entwicklungen und ein Blick ganz weit zurück in die Geschichte auf der Ausgrabungsstätte. Begeisterung schaffen für unsere Region ist dabei das Ziel, welches nach Aussage der vierzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer gelungen ist.
Ein besonderes Signal ging zugleich vom Helmstedter Revier selbst aus: Als kleinstes deutsches Braunkohlerevier übernimmt die Region zunehmend eine moderierende und impulsgebende Rolle im bundesweiten Austausch. Mit kurzen Wegen, klaren Strukturen und einer engen Zusammenarbeit gelingt es hier, Themen frühzeitig zu setzen und Diskussionen anzustoßen – eine Stärke, die von den Partnerregionen ausdrücklich hervorgehoben wurde.
Der Revieraustausch geht auf eine Initiative und Konzeption der Wirtschaftsregion Helmstedt GmbH zurück und hat sich innerhalb kurzer Zeit als wichtige Plattform des deutschen Strukturwandels etabliert. Ziel bleibt es, Synergien zu heben, voneinander zu lernen und gemeinsam tragfähige Lösungen für die Zukunft der Reviere zu entwickeln. Rund 100 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren folgten in diesem Jahr der Einladung nach Helmstedt – ein starkes Signal für die Bedeutung des Formats. Auch im kommenden Jahr wird der Landkreis Helmstedt erneut Gastgeber des Niedersächsischen Revieraustauschs sein. Der bundesweite Austausch wandert weiter und wird 2027 im Rheinischen Revier Station machen.
Fotos: Wirtschaftsregion Helmstedt, Benjamin Klingebiel


